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... nicht aber aus Regeln
oder festen Vorgaben. Obgleich viele seiner Arbeiten äußerst fragil sind und eine behutsame, wenn auch
physische Begegnung erfordern, nimmt er doch keine
Stellung dazu, ob und wie das Ausgestellte zu sichern,
was damit anzustellen ist und an welchem Punkt des
handelnden Eingreifens der Moment von Erkenntnis
wartet. Ob man mit einer großen Schneiderschere
fiktive Labels aus einer Stoffbahn schneiden kann
(Woobie #2), ob seltsam weiche Handschmeichler
zu befühlen sind (Handmates), ob man sich
an einem klingelnden Handy melden soll (Sleeping Beauty) oder ob eine unvermittelt im Weg stehende
Wand aus biegsamen Stangen zu durchschreiten
ist (Switch) – nie äußert sich Walde konkret
dazu, was der Besucher tun kann oder soll, geschweige
denn, ob und wie die Ausstellungsleitung die provozierten
Handlungen kanalisieren, verhindern, fördern
oder nur dulden soll. Waldes kommunikative Installationen
fordern zu einer Eigenverantwortlichkeit heraus,
die dem ästhetischen Wert der einzelnen Objekte
eine hohe Ausstrahlungskraft zuspricht. Und verblüffenderweise
funktioniert genau das: Schafft es
das Ausstellungshaus, eine anregende, neugierig
machende Atmosphäre rund um die Präsentation
herzustellen, dann teilt sich der Grad der Benutzbarkeit,
das Maß an Behutsamkeit oder Entschlossenheit
tatsächlich in einer Weise mit, daß bis zum
Schluß immer wieder neue dialogische Situationen
der Besucher untereinander, mit den Werken und
innerhalb des Museums möglich bleiben.
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Zugleich wird der einzelne in vielen Installationen
Waldes direkt mit den Konsequenzen seiner Handlungen
und denen anderer Besucher konfrontiert, weil
sie das Werk unmittelbar verändern und weiterentwickeln.
Der kommunikative Akt, Aktion und Reaktion
werden von Projekten wie Tie or Untie, Can give me something oder NOFF #4 nicht nur herausgefordert, sondern sogleich inkorporiert,
so daß Handlung und Veränderung in ihrer
Wirkung Bestandteil des Werkes werden. Viele dieser
Projekte – und Tie or Untie ist das Paradebeispiel
dafür – reisen mit den Ausstellungen Waldes um die
Welt, erfahren eher einzelne Aufführungen (Walde
spricht von „Enactments") als Installationen, und
die Herausforderung an die Besucher ist jedes Mal
wieder neu die Frage, ob und wie man sich zum
Werk und zu den Handlungen vorheriger Benutzer
in Beziehung setzen will. |