 |
Begriffe: |
|
Aus welchem Blickwinkel auch immer – der Ort des Geschehens ist das einzige, was
annähernd materiell fassbar erscheint, weswegen Walde sich die Frage stellt: »Speichert
der Raum, was darin geschieht, bleibt ein Eindruck, eine Erinnerung, eine Spur
zurück, die in der Zukunft in Wechselwirkung tritt?« Wie verhält es sich mit den Wechselwirkungen
von Orten und Handlungen? Was hat es mit Waldes Verweis auf die Filme
von Buster Keaton auf sich, vor allem darauf, dass dieser »den Raum verwendet wie ein
Ding, das er in die Hand nimmt und damit spielt«? Wäre nicht eben auch vom ›Enactment
des Raumes‹ zu reden, wenn der nur mit Schürze bekleidete Putzmann in einer
Berliner U-Bahn dem übl-ichen Abfall zu Leibe rückt ? Seine eindringliche Dynamik
verdankt Putzen (1991 – 1992) schließlich weniger dem überraschenden Outfit oder der
ebenso entschlossenen wie sys-tematischen zeitlichen Folge von Handlungen, als einem
verstörenden Maßstab der Größenverhältnisse zwischen Personen und Orten.
Die Folge von fotografischen Ablicht-ungen des ›Tatortes‹ enthält offensichtlich keine
Spur des Geschehens. Diese ist der Zeichnung anvertraut, und hier entstehen verschiedene
Versionen: eine in ihrer Beziehung zum Ort vollends schemenhafte Version, in
der alles – Waggons, Menschen und Handl-ungsutensilien – wie flüchtige Nachbilder
mehr oder minder plausibel verteilt sind; eine weitere, die eben diesen Ort mit wenigen
Linien mindestens in ein architektonisches Ver- hältnis von Bahnsteig und Waggons
bringt und das gesamte Geschehen wie im Zeitraffer zeitgleich erfasst; und schließlich
jener in einzelne Fotos oder Fotosequenzen eingezeich-nete Putzmann in Aktion. Im
Moment, da er den Zug betritt, ist seine Gestalt – wie in einem Negativ-Film – zur weißen
Umrisszeichnung reduziert, im Waggon bewegt er sich als weiße Negativ-Form, als gelte
es, seine wahre Existenz im ›Verschwinden lassen‹ zu schützen. Gemeinsam ist
allen Versuchen eine aus dem Lot geratene Überdimension-ierung des Akteurs, damit
die ses unglaubliche Ereignis nicht entrinnt wie der oben zitierte Wassertropfen im
Sieb.
|
|
|
 |
|
|
In die fotografische Ansicht von St. Germain (2002) ist ein Mädchen so eingezeichnet,
dass viele Betrachter reflexartig von einem unfreiwilligen Sturz ausgehen. In
den versch-iedenen Dokumenten des Ortes wechseln nicht nur die Passanten, auch die
Richtung der Einzeichnung scheint geändert, was die angespannte Atmosphäre zwar
steigert, zur deut-enden Klärung allerdings wenig bis nichts beiträgt. Folgt man Waldes
Wahrnehmungs-rekonstruktion, dann wuchs diese völlig vermummte, schwarze Gestalt
mit ausgestreckten Armen aus dem Boden in den Raum der Fußgänger. Sie bog sich
aus der Linie der Allee-bäume mit einer solchen Intensität in Richtung Gehsteig, ... (Fortsetzung nächste Seite) |
|